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SENECA-Medaille des Industrie-Clubs für Alternsforschung 2017

26. September 2017

Die SENECA-Medaille des Industrie-Clubs für Alternsforschung 2017 wurde an die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Ursula M. Staudinger verliehen.

SENECA-Medaille
Der mit 20.000 EUR dotierte Preis für Alternsforschung des Industrie-Clubs wird alle zwei Jahre ausgeschrieben und maßgeblich seit vielen Jahren von der Niehaus-Stiftung gefördert. Die SENECA-Medaille zeichnet Arbeiten aus, die zu wesentlichen neuen Erkenntnissen der molekularen, epidemiologischen und gesellschaftlichen Mechanismen des Altwerdens führen, neue Ansätze der kausalen Prävention alternsassoziierter Probleme des Menschen eröffnen und zur Förderung eines gesunden, erfolgreichen Alterns beitragen (extension of health-span).

Preisträgerin
Frau Prof. Ursula M. Staudinger ist eine international führende und interdisziplinär ausgerichtete Psychologin und Alternsforscherin. Seit Juli 2013 ist sie Gründungsdirektorin des Robert N. Butler Columbia Aging Centers und leitet das dazugehörige International Longevity Center (ILC) an der Columbia University, New York. Sie wurde auf die neu eingerichtete Robert N. Butler Stiftungsprofessur und als Professorin für Psychologie berufen. Davor war sie Vizepräsidentin der Jacobs University Bremen und Gründungsdekanin des Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development (JCLL). Weitere berufliche Stationen umfassten u.a. das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und die TU Dresden. Ursula M. Staudinger hat Psychologie an der Universität Erlangen und an der Clark University, Massachusetts (USA), studiert. Sie promovierte 1988 zum Dr. phil. und habilitierte 1997 an der Freien Universität Berlin.

Frau Professor Staudinger berät die Deutsche Bundesregierung in Altersfragen und ist u.a. Vizepräsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und deren Foreign Secretary, Kuratoriumsvorsitzende des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und Mitglied der Academy of Europe. Für ihre herausragenden Forschungsleistungen wurde sie u.a. mit dem “Braunschweiger Forschungspreis 2014″ ausgezeichnet.

Forschungsgebiet
Das Forschungsinteresse der Preisträgerin gilt der Veränderbarkeit des Alternsprozesses und ihren Folgen für den demografischen Wandel. Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft des längeren Lebens erforscht Ursula M. Staudinger die Potenziale des Alterns und untersucht dabei das Zusammenspiel von Produktivität und Altern bis hin zur Entwicklung von Lebenseinsicht, Lebensgestaltung und Weisheit über die Lebensspanne. Die Arbeiten von Ursula M. Staudinger und ihrer Arbeitsgruppe zur positiven Plastizität des Alterns sind einzigartig hinsichtlich ihrer Interdisziplinarität sowie der Verbindung aus experimenteller Laborforschung und Erforschung der Alltagswirklichkeit anhand von Beobachtungsstudien. Psychologisch-verhaltenswissenschaftliche Ansätze verbindet sie mit neuro- und lebenswissenschaftlichen Paradigmen genauso wie mit soziologischen und ökonomisch-demographischen Perspektiven. Frau Professor Staudinger hat in eindrucksvoller Weise nachgewiesen, wie sensitiv Alternsverläufe auf Umwelteinflüsse reagieren. Beispielsweise hat sie gezeigt, dass Aufgabenwechsel bei der Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit (Verhalten und Hirnstruktur) leisten, speziell bei Beschäftigten mit einfachen Tätigkeitsprofilen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis belegt, dass die Offenheit für neue Erfahrungen nicht unbedingt mit dem Alter abnehmen muss, wenn Personen weiterhin die Möglichkeit haben, in anregenden Kontexten tätig zu sein. In einer erst jüngst erschienenen Studie konnte sie mit Kollegen zeigen, dass auch normative Vorstellungen über die Gleichberechtigung Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Frauen im Alter haben. Geehrt werden somit die Leistungen einer Verhaltensforscherin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hilfe der systematischen Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen physischen, psychischen und sozialen Einflussgrößen die Veränderbarkeit menschlichen Alterns nachzuweisen und aus solchen Studien wichtige Hinweise für die Verbesserung von Alternsprozessen zu liefern. Ihre Befunde haben hohe Relevanz für jeden Einzelnen, für Unternehmen und für die Sozialpolitik in einer Gesellschaft des längeren Lebens.

Preisverleihung
Die diesjährige SENECA-Medaille für Alternsforschung wurde am 25. September 2017 im Rahmen einer Feierstunde im Industrie-Club verliehen. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Johannes Siegrist (Seniorprofessor „Psychosoziale Arbeitsbelastungsforschung“ an der HHU Düsseldorf und Mitglied des Kuratoriums der SENECA-Medaille). Nach der Verleihung hielt die Preisträgerin einen Vortrag zum Thema: „Längeres Leben: Was nun?“.
„Menschen leben heute rund 30 Jahre länger als noch vor 100 Jahren, sind fitter, gesünder“, sagt Staudinger. Im demografischen Wandel sieht sie Chancen. „Wir haben mehr Lebenszeit, die wir sinnvoll füllen können – aber wir müssen sie auch nutzen und gestalten“.
Im Anschluss daran fand ein Dialog zwischen Prof. Dr. Ursula M. Staudinger und Prof. Dr. Alfons Schnitzler (Direktor des Instituts für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie sowie Ärztlicher Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied des Kuratoriums der SENECA-Medaille) statt.

Die Preisverleihung wurde musikalisch von zwei jungen Studentinnen der Robert Schumann Musikhochschule Düsseldorf, Sophia Aretz (Flöte) und Fabienne Kreuzer (Flöte), eröffnet.

Eine Fotogalerie von dem Abend finden Sie im „Mitglieder-Bereich“ unter „Fotos.

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